Amiga Future :: Heretic 2
Date 23.05.2011 - 14:31 (AndreasM) - Views 3352
Description von Amiga-Joker.de
 

Heretic 2

Die Systemanforderungen: PowerPC, AGA, AmigaOS 3.0, 64 MB Speicher, 300 MB freier Festplattenspeicher.

Heretic 2 stammt aus dem Jahr 1998 (erstmals für PC), ist ursprünglich aus dem Hause Raven Software und von Hyperion auf einer CD-Rom für Amiga umgesetzt.

Ähnlichkeiten mit "Hexen II" sind unübersehbar, bzw. unüberhörbar, da einiges aus der Geräuschkulisse bei beiden identisch ist. Auch die Motivation das Game anzugehen ist gleich. Der Schwierigkeitsgrad ist schön ausgewogen zwischen sichtbaren Erfolgen und einigen kniffligen Stellen, die es einem nicht zu einfach machen, aber mit ein paar Anläufen durchaus zu schaffen sind. Als Vorwand für das Gemetzel muß folgende Fantasy-Geschichte herhalten: Corvus, unser Alter Ego, kehrt von einer erfolgreichen Mission zurück (das Spiel hat ja auch eine "II" im Titel) und legt während des Intros eine Odyssee zwischen den Dimensionen zurück. Endlich wieder zuhause kann er aber nicht bequem die Füsse hochlegen, sondern muss erkennen, dass eine Seuche seine Heimatstadt heimgesucht hat. Die Opfer der Seuche sind dem Wahnsinn verfallen und greifen alles an was sich bewegt - und das seit in erster Linie Ihr! Wie sich herausstellt, geht die Seuche auf eine Initiative eines ach so bösen Magiers zurück und auch Corvus wird infiziert. Nur sein magisches Buch kann den Wahnsinn noch eine begrenzte Zeit von ihm abhalten. Also gilt es einen Heiler aufzusuchen, damit man sich kerngesund daran machen kann, dem bösen Magier das verdammungswürdige Handwerk zu legen...

"Heretic II" ist ein Bastard aus Ballerspiel (in erster Linie), Geschicklichkeitsspiel (es gibt diverse Hüpfpassagen), Adventure (ein paar einfache Rätsel sind zu knacken) in einem Rollenspielambiente. Im Gegensatz zu "Hexen II" gibt es aber keine Beförderung durch Erfahrungspunkte - der Held wird einfach immer besser, in dem der Spieler an Geschicklichkeit gewinnt. Corvus begenet auf seiner Reise diversen Unholden und seltsamen Viechern, die ihm das Leben schwer machen: Echsenmänner, Flugsaurier, Ratten, Killerkarpfen und Magier lassen uns stets nach Power-Ups suchen um die ständig in bedenklichen Bereichen befindlichen Werte für Gesundheit und Mana wieder aufzufrischen.

Eine Abwechslung bieten auch die zur Verfügung stehenden Waffen, die man erst im Lauf der Zeit erhält. Es sind hälftig "konventionelle" Dinge wie Messer, einem Höllenstab (= MP), Bögen mit verschiedenen magischen Pfeilen etc. und Zaubersprüche wie Feuerbälle usw. Unterm Strich macht es keinen Unterschied, ob ich eine Explosivwaffe nun "Raketenwerfer" oder "Phönixpfeil" nenne, aber so kann es man wenigstens auch in der Antike so richtig krachen lassen. Man verfügt auch über diverse Devensivzauber, wie grüne Meteore, die einen umkreisen, um sich im Falle eines Angriffes auf den nächsten Gegner zu stürzen. Besonders angetan hat es mir hier der "Egg-Zauber". Einmal ausgesprochen, verwandelt er einen Gegner in ein wehrloses Hühnchen, welches man dann genüßlich rupfen kann.

Man kämpft und schießt sich durch die linearen Level, von denen es insgesamt 24 gibt. Diese Level sind in Kapitel zusammengepackt. Wenn man einen für die Geschichte wichtigen Punkt erreicht hat, erzählt eine Videosequenz über den weiteren Fortgang. Die Grafik ist sehr schön und vor allem flüssig. Ruckelfrei hastet man durch Städte, Tempelanlagen, Sümpfe oder Wälder. Die Dekorationen sind detailfreudig und laden zu etwas Sightseeing ein - selbstverständlich erst, wenn das betreffende Areal von allem Kroppzeug gesäubert wurde.

Der Sound beschränkt sich auf das Notwendigste, aber die Standarts wie prasselndes Feuer oder ein deftiges "Platsch" beim Eintauchen in das zahlreich vorhandene Wasser tragen ebenso zu einer passenden Atmosphäre bei, wie die unterschiedlichen Brüller und Kreischer der manigfaltigen vorkommenden Kreaturen. Auch unser Held ist nicht sprachlos - es informiert uns aber hauptsächlich über den Status von Türen, die man im ersten Anlauf nicht aufbekommt. Wenn es denn heisst: "Das muß ich woanders öffnen", dann gilt es sich auf die Suche nach einem Schalter zu machen, der sich aber meist in unmittelbarer Nähe befindet. Besonders gut gefällt mir, dass man nach einem gelösten Rätsel in einer kurzen Videosequenz darüber informiert wird, wo sich denn nun etwas getan hat. Mit grausen erinnere ich mich da an diverse Spielchen, bei denen man erst mühsam danach suchen muss, was sich denn nun geöffnet hat.

Aber was nützt mir die schönste Grafik, die interessanteste Geschichte und der tollste Sound, wenn das Herzstück eines Spiels nicht stimmt: die Steuerung. Ich bin vehemender Gegner von Steuerungen, welche sämltliche Knöpfchen auf der Tastatur mit mindestens 3 Funktionen belegen - mir ist die Maus als Steuergerät am liebsten, da man sich viel mehr auf das Geschehen auf dem Monitor konzentrieren kann anstatt im dichtesten Kampfgetümmel nun die richtige Taste zu suchen. "Heretic II" bietet eine Kombination aus beidem, wobei sich die Inanspruchnahme der Tastatur im erträglichem Rahmen hält. Zum Laufen hält die rechte Maustaste her - Dauerfeuer geben wir mit der Linken. Dadurch, dass man hinter Corvus ist, kann man sich mit der Maus auch richtig "umsehen". Die gelungene Steuerung läßt einen schnellen Rundumblick in alle Richtungen zu und man kann auch gefahrlos um diverse Ecken herum spähen, ob sich nicht ein hinterhältiger Gegener dahinter verbirgt. Die anderen notwendigen Funktionen wie "springen" oder "ducken" sowie den Waffenwechsel finden auf einigen wenigen Tasten Platz. Das Spiel hält auch eine Trainingsrunde bereit, damit man gefahrlos etwas üben kann. Das ist vor allem für das Schießen nützlich, da es hier keine Zieleinrichtung wie ein Fadenkreuz oder ähnliches gibt.

Fazit: Unterm Strich ist "Heretic II" ein Spielchen, das einen viele Stündchen vor den Bildschirm fesseln kann. Während des Ladevorgangs wird eine Landkarte eingeblendet, auf welcher der aktuelle Aufenthaltsort und der zurückgelegte Weg angezeit wird. Freunde von etwas anspruchsvolleren Ballerspielen dürfen beherzt zugreifen.

(Autor: David Schlak)