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Amiga Future Forum Index -> Knowledge Base  »  Deutsche Artikel  »  Testberichte  »  Testberichte - Spiele [Printable version]
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Type: Testbericht
Description: Amiga Games Guide
Date: 12.05.2008 - 12:21 - Views 2017
Category: Testberichte - Spiele
Jaktar - Der Elfenstein
 
Ich befinde mich in einer Zwickmühle: Ich soll Jaktar testen. Das
Spiel wird vom APC&TCP Club verkauft. Soll ich nun einfach eine
Lobeshymne über das Game schreiben - und mich damit bei Andreas
einschleimen - oder soll ich meine ehrliche Meinung kundtun? Nach
längerem Überlegen habe ich mich entschieden: Ich werde meine
ehrliche Meinung niederschreiben. Ich schreibe, was ICH von dem Spiel
halte, so wie ich es bei anderen Spielen auch tue. Ein wahrer Mann
muß zu seiner Überzuegung stehen, auch wenn er sich dadurch
vielleicht unbeliebt macht.


Verglichen mit dem PC schaut es am Amiga in den letzten Jahren mit
Neuerscheinungen von guten Games sehr triste aus. Dies gilt auch für
den Rollenspiel-Sektor. Nachdem Ambermoon 1993 erschienen ist, kam
kein einziges wirklich gutes RPG mehr auf den Markt. Die einzige
Ausnahme war vielleicht Dungeon Master II (AGA only) von FTL, das im
Winter ´95 erschien. Die wenigen anderen RPGs nach Ambermoon waren
alle nur von schwacher bis durchschnittlicher Qualität (Ishar III,
Crystal Dragon, Robinsons Requiem,...). Umso neugieriger war ich (und
wohl noch einige andere) auf das Erscheinen von Jaktar.


Das Spiel stammt aus Deutschland von der scheinbar nur drei Mann
starken Programmierertruppe GOD (Game Objekt Design). Vertrieben wird
es vom APC&TCP Computerclub.


Nachdem ich das Game erhalten habe, schaue ich mir ersteinmal die
Packung genauer an. In dem relativ kleinen Karton sind fünf Disks
hineingequetscht, weiters das 60 Seiten starke Handbuch, ein
Installationshinweis und ein Werbeprospekt vom APCusw Club.


Vom Covermotiv der Packung kann man natürlich geteilter Meinung sein,
aber ich finde es nicht sonderlich gut. Es zeigt die Skyline einer
(modernen?) Stadt, über der ein Kristall (der Elfenstein?) schwebt.
Abgesehen davon, daß man mehrmals hinsehen muß, um das Motiv zu
erkennen - was hat eine modernen Stadt mit einem Fantasy RPG zu tun?
Ein Fantasy-Motiv (mit einem fiesen Ork oder einem tapferen Paladin
zum Bleistift) hätte viel besser auf den Inhalt der Box eingestimmt.


Auf der Rückseite mit drei Screenshots und einem kurzen Text in
deutsch sowie englisch erfährt man dann schon etwas mehr über den
eigentlichen Inhalt der Packung: Jaktar ist ein reinrassiges
Fantasy-Rollenspiel, mit Dungeons, Zauberern und vielen Monstern. So,
wie man es eben gewohnt ist.


Die Hardware-Anforderungen liegen höher als bei den meisten
Amiga-Spielen. Jaktar läuft zwar (angeblich!!) schon unter Kick 1.3,
aber es braucht unbedingt eine Festplatte und mindestens 1,5 MB
Speicher.


Als nächstes schaue ich mir die Rückseite der Installationsanleitung
genauer an. Und was sehe ich da? Mein Spiel ist die Version 1.0.
Klar, ist ja gerade erschienen. Da steht aber nun auf dem Zettel, daß
das Spiel in den nächsten Monaten immer weiter verbessert wird.
Nichts gegen ein paar Bugfixes, aber auf dem Zettel steht was von
neuen zusätzlichen Features, die das Spiel noch umfangreicher und
anspruchsvoller machen sollen. Was soll das? Soll ich das Spiel jetzt
durchspielen, und mir dann die massiv verbesserte und überarbeitete
Version nocheinmal reinziehen??? Da warte ich doch gleich mit dem
Spielen - ich will ja nicht die nächsten Monate andauernd nur Jaktar
spielen, nur weil ein paar Dinge verbessert wurden! Natürlich ist es
im Software-Business immer so, daß die ersten Käufer immer die
(unfreiwilligen) Tester des Programmes sind, spätere Käufer erhalten
meist zum gleichen Preis oder gar billiger eine etwas fehlerfreiere
und verbesserte Version. Aber gleich eine derart umfangreiche
Überarbeitung (Jaktar Update Disk) anzukündigen? Da warte ich doch
gleich auf das Update! und dann auf das nächste - es sind nämlich
mehrere Update Disks angekündigt! Wenigstens sollen sie gratis sein.
Man wird sehen ob sie je erscheinen und wieviele es sein werden.
Angekündigt ist im Computer-Business ja schon sehr oft etwas
geworden...


Nun zum Handbuch: Stabil gebunden. Gut lesbar und übersichtlich
gegliedert. Vollkommen in deutsch. S/W. Beinhaltet eine kurze
Hintergrundstory sowie eine Erklärung des Spieles. Knapp, aber
übersichtlich. Nur warum das Inhaltsverzeichnis auf der letzten Seite
steht, ist mir nicht ganz klar. Insgesamt hat es mich irgenswie an
das (edlere) Handbuch zu Ultima VI erinnert.


Zaubersprüche gibt es im Spiel nur 16. Nicht sonderlich viele. Aber
wer hat schon alle der fast 100 Zaubersprüche aus Bards Tale je
verwendet? Aber nur 16?


Als nächstes mache ich mich also an die Installation des Programmes.
Zuerst installiere ich es auf meinen A 1200. Das
Installationsprogramm will standardmäßig auf die Partition hd1:
installieren. Wenigstens ist das Ändern auf hd0: kein Problem, wenn
man nur so habwegs weiß, was man tut. Nun beginnt das Kopieren und
Entpacken der Daten auf die Festplatte. Dauert ein paar Minuten,
funktioniert aber problemlos. Jaktar befindet sich nun auf meiner HD.


Durch Doppelklick wird Jaktar gestartet. Nach den Credits gelangt man
in ein Einleitungs-Menü. Man hat die Wahl zwischen Einleitung, Altes
Spiel laden, Neues Spiel starten und in das Amiga DOS auszusteigen.
Natürlich wähle ich ersteinmal die Einleitung. Aufwendig, aber nur in
durchschnittlicher grafischer Qualität, wird eine kurze Vorgeschichte
erzählt. Nicht schlecht.


Als nächstes wähle ich "Neues Spiel beginnen". Das war´s dann auch
schon. Das Programm steigt mit der CLI-Meldung "Must be in a command
file" aus. Verdutzt schaue ich auf den Workbensch Screen.


Ohne viel nachzudenken installiere ich das Spiel als nächstes auf
meinem alten Amiga 500. Angeblich soll es ja unter 1.3 auch laufen.
Die Installation klappt problemlos. Ich will das Spiel starten, aber
es beendet sich diesmal noch schneller selber. Diesmal, weil die
Stapelverarbeitungsdatei für den Spielstart nicht mit den
IF-Anweisungen zurecht gekommen ist. Eh´ klar, der Amiga DOS Befehl
IF hat auf der Workbench 1.3 noch eine völlig andere Syntax als unter
2.0 oder höher. Diese Datei kann unter 1.3 NIE funktionieren. Nun
gut, also schaue ich mir gezwungenermaßen die Batch-Datei für den
Spielstart genauer an.


Ziemlich brutal entferne ich alle if, when usw. Befehle, sodaß nur
mehr die eigentlichen Hauptprogramme (Intro, Charaktergenerierung,
Spiel, Extro1+2) dastehen. Das sollte eigentlich laufen, nur das man
so immer beide Extros sehen wird. Da diese Extros aber wie ein
kleines, ausführbares Programm aussehen, starte ich eines der beiden
einfach direkt, noch aus Directory Opus heraus. Und was passiert? Es
läuft. Ich sehe die Schlußsequenz, noch bevor ich überhaupt mit dem
Spiel anfangen konnte. Super.

Wenigstens läßt sich - mit der radikal verkleinerten Start-Datei "Der
Elfenstein" - nun das Spiel starten. Ich wähle also "Neues Spiel" und
beginne, meine erste Figur zu erstellen. Ich will der Figur einen
Namen geben, aber es geht nicht. Man kann einfach keinen Namen
eingeben. Das Spiel läuft auch so, allerdings hat nun keine der
Figuren einen Namen.


Genervt schaue ich, ob der Fehler am Amiga 1200 auch auftritt. Auch
dort entmiste ich die Batch-Datei recht brutal. Und - das Spiel
startet scheinbar ohne Fehler. Abgesehen vom doppeltem Extro. Aber so
weit bin ich lange nicht, also was soll´s. Ich erschaffe nun einen
häßlichen Zwerg (Namenseingabe klappt am 1200er ohne Probleme) und
beginne das Spiel.


Zu Beginn stehe ich vor dem König der Elfen, der mich gleich mit "die
mächtigsten Krieger und Magier des Reiches" anspricht. Ob er damit
meinen häßlichen Zwerg gemeint hat? Jedenfalls gibt der Elfe uns
(Pluralis Majestätis?) den Auftrag, die fünf Splitter des
Elfensteines zu suchen. Und schon beginnt das eigentliche Spiel.


Wie soll jemand, der nicht viel Ahnung vom AmigaDOS hat, aber je
soweit kommen? Das Spiel läßt sich weder auf meinem Standard Amiga
500 (Kick + WB 1.3, 2,5MB Speicher, HD) noch auf meinem Standard
Amiga 1200 (Kick + WB 3.0, 4MB, HD) ohne Modifikation der Datei "Der
Elfenstein" starten. Läuft es vielleicht nur unter 3.1 ohne Probleme?
Was soll das? Wurde das Spiel nie getestet? Oder bin ich nur so
dämlich und habe irgendetwas idiotensicheres falsch gemacht? Warum
kann ich unter Kick 1.3 nicht einmal einen Namen eingeben? Da ist
schon genug zu tun für die erste Update-Disk. Und dabei habe ich mit
dem eigentlichen Spiel ja noch gar nicht begonnen...


Ich stelle mir also ernsthaft eine Party aus sechs Figuren zusammen.
Zur Auswahl stehen acht Berufe und sieben Rassen. Danach mache ich
mich auf, die Welt wiedereinmal zu retten.


Bald kommt es zum ersten Kampf. Dieser ist kinderleicht zu gewinnen.
Obwohl meine Party keinerlei gute Waffen oder Erfahrung hat und ich
dem Gegner nur auf die Füße geschlagen habe. Vielleicht war er ja
Bluter? Er hätte sich doch einen Beinschutz zulegen sollen! Jetzt ist
er tot. Sein Pech.


Die Kämpfe laufen ähnlich ab wie bei Bards Tale. Man kämpft
rundenweise, jede Figur kann zuschlagen, mit einer Fernwaffe (Bogen)
angreifen, zaubern oder abhauen. Wenn man zuschlägt, muß man sich
noch die Körperregion aussuchen, auf die man schlägt (Kopf, Fuß,
Hand, Rumpf). Wo ist eigentlich der rechte Fuß bei einem Wurm??? Tut
man es nicht, schlagt man scheinbar irgendwo hin. Das es keine
Entfernung im Kampf gibt und der Gegner immer vor einem steht, ist ja
nicht so schlimm. Aber warum kommen die Gegner immer einzeln???


Die Bewegung der Party über Land erfolgt aus der Vogelperspektive,
wie bei Ultima IV/V. Die Grafik ist bei Jaktar aber etwas
farbenprächtiger. Dafür kann man nicht viel tun. Keine Möglichkeit,
sich umzusehen oder etwas zu untersuchen. Wenn man auf ein wichtiges
Feld kommt, so erscheint automatisch Text + Bild +
Handlungsmöglichkeiten.


Ich komme unabsichtlich vom Weg ab und stehe am Waldrand. Da
erscheint eine eigene Grafik mit einem Text, der mir sagt, daß ich
rote Augen im Wald sehe und ein seltsames Knacken höre. Das Bild ist
nicht schlecht. Das sorgt für Atmosphäre! Dachte ich mir zumindest,
bis ich draufkam, daß das selbe Bild und der gleiche Text jedesmal
erscheint, sobald man ein Feld vom Weg abkommt und sich dem Wald
nähert...


Nun wollte ich noch schnell den "orchestralen Soundtrack" (Zitat
Packungsrückseite) abschalten. Ist ja doch nur ein Gedudel (Die Musik
ändert sich in verschiedenen Landschaften/Dungeons). Klappte auch
ohne Probleme. Aber als ich dann noch die F/X abschaltete,
verabschiedete sich Jaktar in den Tiefen meines Amigas mit einem
Guru. Ist vielleicht eh´besser... Ich habe später versucht, den
Fehler zu reproduziern, gelang mir aber nicht.


In den (wenigen) Städten und Dungeons wird die Grafik in 3D gezeigt.
Es wird stufenweise von Feld zu Feld umgeschaltet. Die Grafik wirkt
laienhaft, aber es gibt Schlimmeres.


Von 8 Uhr abends bis 6 Uhr früh ist Nachtruhe. Bewegung der Party ist
in dieser Zeit nicht möglich. Fast das einzige, was man tun kann, ist
schlafen. Und warten, daß die Zeit vergeht. Ich würde aber gerne
einen Nachtmarsch einlegen. Warum darf ich das nicht?


Dem Spiel liegt keine Landkarte bei. Das bedeutet, daß man am Anfang
keine Ahnung hat, wo man hingehen kann/soll. Man muß also wohl oder
übel erst einmal das ganze Land erforschen. Super. Sonderlich viel
ist nicht los. Automap gibt es offensichtlich, aber dazu benötigt man
erstmal eine magische Karte. Für die Dungeons kann man auch extra
Karten finden/erwerben.


Nachdem meine Party nun eine Pyramide erforscht hat und alle Gegner
umgebracht hat (obwohl es lauter Anfänger sind!), gebe ich vorläufig
auf. Außerdem finde ich eh´ nicht mehr heraus.


Meiner Meinung nach kommt Jaktar - der Elfenstein bei weitem nicht an
die Amiga Rollenspiel-Highlights (Eye of the Beholder, Dungeon
Master, Bards Tale, Amberstar+moon, Ultima usw.) heran. Bevor ich nun
Jaktar noch länger weiterspiele, besaufe ich mich lieber sinnlos. Das
entspricht meiner derzeitigen Stimmung eher.


Fazit: Grafik und Benutzerführung sind nur knapp über PD-Niveau. Die
Story erscheint doch recht umfangreich. 10 MB für das Programm sind
doch nicht wenig. Wer schon alle anderen guten Rollenspiele
durchgespielt hat oder unbedingt ein neues Spiel spielen will, kann
sich Jaktar ja einmal anschauen. Vielleicht sollte der potentielle
Spieler zuerst ein paar Stunden Space 1889 spielen. Dann wird er
Jaktar lieben.


Name: Jaktar
Genre: Rollenspiel
Disks: 5
Sprache: vollkommen in deutsch

benötigt: 1,5MB Speicher, Festplatte, Kick 1.3?
empfohlen: eine Kiste Bier (macht mehr Spaß)

Wolfgang Unger
 
  
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 Interview:  APC&TCP (No Risc No Fun vom 3.2.2001)
 Interview:  Andreas Magerl (No Risc No Fun vom 7.9.2000)
 Testbericht:  Microcosm CD32 (Amiga Games Guide)
 Testbericht:  Microcosm CD32 (Amiga Games Guide)
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